»Das Weimarer Dreieck«: Eine europäische Dreiecksbeziehung von nicht zu unterschätzender Bedeutung

#Gütersloh, 10. September 2026

»Das Weimarer Dreieck als Motor europäischer Handlungsfähigkeit« – eine »steile These« befindet möglicherweise der eine oder die andere gut informierte Besucherin der Veranstaltung zum Thema, die die #VHS Gütersloh in Kooperation mit der deutsch polnischen Gesellschaft anbietet. »Gilt mehr denn je«, antwortet Josef Neumann im Brustton der Überzeugung. Der NRW Landtagsabgeordnete (SPD), stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppe NRW Polen, #Ukraine, #Mitteleuropa und #Osteuropa, #Baltikum, belässt es vor rund 30 Teilnehmern nicht bei der historischen Perspektive auf eine wechselvolle Entwicklung, die 1991 im Zuge einer #Zeitenwende begann, als die Hoffnung auf grenzenlose Verständigung groß war. In der Woche nach der Sachsen Anhalt Wahl stellt er, bewusst bezugnehmend, die Zusammenarbeit dreier ganz unterschiedlicher Länder – Deutschland, Frankreich, Polen – als Vorbild und Gewinn für ein Miteinander dar, dessen Basis der demokratische Trialog ist.

Neumann, selbst in Polen in unmittelbarer Nähe der Gütersloher Partnerstadt Grudziadz geboren und als Kind 1970 mit der Familie nach Deutschland gekommen, kann die eigene Biografie mit ins Feld führen, wenn er freisprechend und voller Empathie Werdegang und Wirkung dieser Dreiecksbeziehung schildert. Er gehörte als junger #DGB Gewerkschaftssekretär seinerzeit zur Gründungsmannschaft des deutsch polnischen Jugendwerks, das im Zuge des Weimarer Dreiecks nach dem Vorbild des deutsch französischen Jugendwerks gegründet wurde. Im damaligen Aufbruch erkennt er einen Grundwert, den er im aktuellen Politikgeschehen auf allen Ebenen verankert wissen möchte: »Wie ermöglicht man Begegnung?« sei der entscheidende Impuls, der auch heute – nach 35 Jahren und trotz aller wechselvoller politischer Entwicklungen in den drei Ländern – die Zusammenarbeit trage. Begegnung, miteinander reden, die Meinung der anderen respektieren, auf Augenhöhe und auf demokratischer Grundlage – das ist das Gerüst, das laut Neumann das Weimarer Dreieck stützt.

Gleichzeitig nimmt er Bezug auf die Gründungsgeschichte und den Gründungsort: Das Weimarer Dreieck sei letztlich Ergebnis aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, ein konkretes Ergebnis der Überwindung von geografischen, historischen und mentalen Grenzen: hier das wiedervereinigte Deutschland in einer neuen Rolle, dort Frankreich mit dem Anspruch Europas politische Richtung mitzugestalten und #Polen, frisch aus dem #Kommunismus befreit mit dem starken Wunsch, Teil des Westens zu werden. Was 1991 mit dem erklärten Ziel begann, Polen in die #EU und in die #Nato zu führen, habe – so Neumann – mit dem Ukrainekrieg 2022 eine neue Dynamik gewonnen. Bemerkenswert sei die Formulierung gemeinsamer Ziele, die die drei Außenminister bei ihrer Tagung im Sommer formuliert hätten: die Unterstützung der Ukraine aus einer Position der Stärke, die Einbehaltung eingefrorener Vermögenswerte und ein Sondertribunal für Kriegsverbrechen seien Ausdruck dafür, dass drei Länder, die lange unterschiedliche Sichtweisen hatten, wieder mit einer Stimme sprächen. Genau in diesem erklärten Willen zum gemeinsamen Handeln der unterschiedlichen Akteure sieht Neumann den Motor für die gesamte EU.

Aber auch aufs Land und die Kommune bricht der Landtagsabgeordnete das »Modell Dreieck« herunter: »Ich wünschte mir solche Dreiecke auch vor Ort, in der Kommune, denn wir brauchen mehr Dialog und Auseinandersetzung«, sagt Neumann und freut sich, dass auch Mitglieder der deutsch französischen Gesellschaft zum VHS Vortrag gekommen sind. In der Volkshochschule sieht er eine Institution, die diesen Prozess vorantreiben kann. Lucyna Minkus, Ehrenvorsitzende der deutsch polnischen Gesellschaft verweist darauf, dass im Herbst weitere Veranstaltungen zum »Weimarer Dreieck« anstehen – am 3. Dezember 2026 mit dem langjährigen EU Abgeordneten Elmar Brok und im April 2027 als Gesprächskonzert mit #Musik aus #Frankreich, Polen und #Deutschland, denn auch #Musik kann schließlich eine Form erfolgreicher Verständigung sein.

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Foto: Volkshochschule Gütersloh, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen

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