Mehr eigene Zähne, mehr Technik im Mund
- Die neue Deutsche Mundgesundheitsstudie zeigt einen Erfolg der Vorsorge. Sie zeigt auch, was danach kommt, und worüber in der Beratung selten gesprochen wird
Wer im Kreis Gütersloh heute 70 Jahre alt ist, hat statistisch gesehen deutlich mehr eigene Zähne im Mund als jemand denselben Alters vor zwanzig Jahren. Das ist das Ergebnis der größten zahnmedizinischen Erhebung des Landes. Zwischen 2021 und 2023 wurden dafür an 90 Orten in Deutschland rund 3.400 Menschen untersucht und befragt.
Die Kernzahl ist bemerkenswert. Bei den 65 bis 74 Jährigen ist der Anteil vollständig zahnloser Menschen von 12,4 Prozent im Jahr 2014 auf 5,0 Prozent gesunken. Er hat sich also innerhalb von neun Jahren mehr als halbiert. Alle Zahlen finden sich im Ergebnisportal der Studie 🔗.
Der Zahnersatz verschwindet nicht, er verändert sich
Interessanter als die Erfolgsmeldung ist die zweite Hälfte der Auswertung. Denn weniger Zahnlosigkeit bedeutet nicht weniger Zahnersatz. Rund 70 Prozent der 65 bis 74 Jährigen tragen Kronen, Brücken, Zahnprothesen 🔗 oder Implantate. Was sich verschoben hat, ist die Art der Versorgung. Der Anteil festsitzender und implantatgetragener Lösungen ist im Vergleich zur Vierten Mundgesundheitsstudie von 35 auf rund 65 Prozent gestiegen.
Die Zahl, die in Beratungsgesprächen fehlt
Die S3 Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Implantologie und der Deutschen Gesellschaft für Zahn, Mund und Kieferheilkunde nennt für periimplantäre Erkrankungen erstaunlich hohe Werte. Die gewichtete durchschnittliche Prävalenz liegt auf Patientenebene bei 43 Prozent für die periimplantäre Mukositis, also die Entzündung des Weichgewebes rund um das Implantat, und bei 22 Prozent für die Periimplantitis, bei der bereits Knochen verloren geht. Die vollständige Leitlinie ist beim AWMF Register öffentlich einsehbar 🔗.
Warum ausgerechnet an dieser einen Stelle
Bakterien brauchen einen Weg nach innen, und der klassische Implantataufbau bietet ihnen mehrere. Bei verschraubten Versorgungen läuft ein Kanal durch die Krone bis zur Halteschraube, verschlossen mit einem Füllmaterial, das sich mit den Jahren lösen kann. Zwischen Implantatkörper und Aufbau bleibt konstruktionsbedingt ein Mikrospalt.
Die Implantologie arbeitet seit Jahren daran, diese Fuge zu schließen. Ein Ansatz sind schraubenlose Zahnimplantate 🔗, bei denen die Krone weder verschraubt noch verklebt, sondern über eine konische Reibpassung auf dem Aufbau sitzt. Beide Bauteile werden im CAD/CAM Verfahren so exakt gefräst, dass sie unter Druck ineinander verkeilen.
Was tatsächlich zählt
Die DMS 6 hat auch nachgemessen, wie gründlich in Deutschland geputzt wird. Nach dem Zähneputzen bleiben im Durchschnitt zwischen 44 und 52 Prozent aller Belagsflächen ungereinigt. Die Bürste erreicht die Außen und Kauflächen zuverlässig, die Zwischenräume nicht. Bei natürlichen Zähnen verzeiht der Körper das eine Weile. Bei Implantaten und unter Brückengliedern verzeiht er es schlechter.
Praktisch heißt das wenig Spektakuläres. Interdentalbürsten in der passenden Größe, täglich, entlang des Kronenrandes. Kein Rauchen während der Einheilphase, besser gar nicht. Eine bestehende Parodontitis vor dem Eingriff behandeln lassen, sonst wandern dieselben Keime an das neue Implantat. Und Nachsorgetermine wahrnehmen, auch wenn nichts weh tut, denn Periimplantitis tut lange nichts. Einen Überblick über Vorsorge und Mundhygiene bietet das Portal gesund.bund.de 🔗 des Bundesgesundheitsministeriums.





























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