#KWS #History: #Schild »#Kriegsgräberstätten in #Gütersloh«
#Gütersloh, 29. September 2026
563 Tote haben als #Opfer von #Krieg und #Gewaltherrschaft auf 4 Kriegsgräberstätten in #Gütersloh eine bleibende Ruhestätte: 473 Tote auf dem #Friedhof »Unter den Ulmen« (Alter Stadtfriedhof), 66 Tote auf dem Katholischen Friedhof, 23 Tote auf dem Friedhof der heutigen Klinik des »Landschaftsverbandes Westfalen Lippe« (vormals »Psychiatrische Provinzial Heilanstalt«) und 1 Toter auf dem Katholischen Friedhof im Stadtteil #Avenwedde.
Im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) verloren 604 Bürger aus Gütersloh ihr Leben. Für den Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) sind 1.199 Tote registriert, 225 Männer und Frauen gelten als vermisst.
Auf den Kriegsgräberstätten der Stadt ruhen gefallene oder ihren Verwundungen erlegene #Soldaten des Deutsch Französischen Krieges, aus beiden Weltkriegen, #Flakhelfer und #Bombenopfer (vor allem vom 26. November 1944), #Kriegsgefangene und #Zwangsarbeiter als Opfer der nationalsozialistischen #Gewaltherrschaft: #Männer, #Frauen und #Kinder.
#Bodenkämpfe in und um Gütersloh hat es nicht gegeben; wohl aber ab 1940 etwa 40 #Luftangriffe. Sie galten zunächst dem #Fliegerhorst #Marienfeld, später auch den Linien der Köln Mindener Eisenbahn und der Teutoburger Wald Eisenbahn.
Nach #Bielefeld und #Paderborn war Gütersloh die meist zerstörte Stadt in #Ostwestfalen. Viele Menschen wurden Opfer der #Bomben, 80 verloren allein am #Totensonntag 1944 ihr Leben, davon 19 in der #Apostelkirche.
Mit dem #Einmarsch #amerikanischer #Truppen am 2. April 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Gütersloh.
#Zwangsarbeit in Gütersloh
Bereits im Ersten Weltkrieg wurden #Ausländer in Gütersloh zur Arbeit zwangsverpflichtet, vor allem #Polen und #Belgier. Zwischen 1939 und 1945 sind in #Betrieben und #Haushalten der Stadt mindestens 380 #Zwangsarbeiter eingesetzt gewesen, 158 starben: 92 #Sowjetbürger, 26 #Polen, 12 #Niederländer, 14 #Belgier, 9 #Franzosen, 2 #Italiener, 2 #Serben und 1 #Tscheche (Quelle »Arbeitseinsatz in der Mittelstadt« von Till Kössler, 1996).
Jüdische Bürger
Eine kleine jüdische Gemeinde gab es in Gütersloh von 1671 an. 1932 zählte sie 67 Mitglieder. Am 10. November 1938 wurden in Gütersloh nicht nur die Synagoge in Brand gesteckt, sondern auch gezielt Wohnhäuser jüdischer Bürger zerstört. Ab 1941 erfolgten die #Deportationen von Juden aus Gütersloh in die #Ghettos und #Konzentrationslager; unter anderem nach #Riga, #Warschau, #Lodz, #Auschwitz, #Buchenwald, #Kowno, #Sobibor, #Minsk und #Theresienstadt. Seit 1943 gibt es in Gütersloh keine jüdische Gemeinde mehr (Quelle »Juden und Jüdische Gemeinde in Gütersloh« von Jehuda Barlev 1988, »November Pogrom 1938 in Gütersloh«, Helmut Gatzen 1993).
An Orten einstigen jüdischen Lebens – der #Synagoge und vor Wohnhäusern – erinnern heute im Gehweg eingelassene Messingplatten mit den Namen und Lebensdaten jüdischer Bürgerinnen und Bürger an ihr Schicksal. Dies gehört zur Aktion »#Stolpersteine« des Kölner Künstlers Gunter Demnig. »Aufmerken, inne halten im alltäglichen Trott, nachdenken, sich erinnern«: das ist das Anliegen des Initiators.
»#Euthanasie Programm« der Nationalsozialisten
Dieses Programm (Euthanasie, griechisch »schöner, leichter Tod«) war eingebunden in die menschenverachtende Ideologie des »Dritten Reiches«. Es bedeutete den #medizinischen Missbrauch# wie die systematische #Ermordung von behinderten Menschen – sie wurden als lebensunwert eingestuft – durch #SS #Ärzte und #Pflegepersonal. Nach neuesten Erkenntnissen fielen bis zu 300.000 Menschen diesen Verbrechen zum Opfer (Quelle »Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst.« Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen »Euthanasie«. #Göttingen 2007, Seite 15, Petra Fuchs und andere (Herausgeber)).
In der damaligen »Provinzial Heilanstalt« waren zwischen 1940 und 1943 insgesamt 1.017 »Patienten« untergebracht. Für die allermeisten war es eine Zwischenstation. Sie wurden in Heilanstalten und Pflegeanstalten nach #Warat/#Warthegau, #Meseritz/#Obrawalde, #Tiefenhof/#Gnesen, #Bernburg/#Anhalt, #Scheuern/#Nassau sowie ins #Spital #Kocborowo/#Danzig verlegt oder in die NS Tötungsanstalten #Hadamar/#Hessen und #Brandenburg (»Altes Zuchthaus«) verbracht. Der überwiegende Teil dieser Menschen ist dort gestorben oder ermordet worden. Einige Patienten wurden auch entlassen oder konnten fliehen; von anderen ist das Schicksal unbekannt geblieben. Auf dem Friedhof der heutigen Klinik ruhen 23 Opfer (Quelle »Psychiatrie und Gesellschaft in der Moderne«, Bernd Walter, 1996).
#Kriegsgräber auf dem Friedhof »Unter den Ulmen«
In mehreren Gräberfeldern ruhen 466 Tote beider #Weltkriege und der #Gewaltherrschaft aus mehr als 10 Nationen sowie 7 Gefallene des Deutsch Französischen Krieges 1870/71 vor einem Denkmal; im Einzelnen: aus dem Ersten Weltkrieg 43 deutsche und 16 russische Tote, aus dem Zweiten Weltkrieg die Gräber von 347 Deutschen, 17 Ungarn, 9 Sowjetbürgern, 2 Litauern, 13 Letten, 4 Esten, 3 Jugoslawen, 3 Rumänen, 3 Polen, 4 Niederländern und 2 Unbekannten. Die Stadt Gütersloh hatte bereits nach Beginn des Zweiten Weltkrieges die Kirchengemeinde um Erweiterungsmöglichkeiten der Kriegsgräberstätte des Ersten Weltkrieges gebeten. Die Gemeinde stimmte dem zu. Erste Kriegstote wurden unmittelbar bei den Gräbern der Opfer des Ersten Weltkrieges bestattet. Als der Platz nicht mehr ausreichte, sind die Toten auf der Fläche jenseits des Weges beigesetzt worden. Alle Gräber des Zweiten Weltkrieges wurden zunächst mit Holzstelen, in die die Daten der Toten eingeschnitzt waren, gekennzeichnet. Den Kopf der Stelen versah man jeweils mit einem stilisierten »Eisernen Kreuz«.
Anfang der 1950er Jahre wurden die Gräberfelder des Zweiten Weltkrieges neu gestaltet. Die Aufgabe übernahm der #Bielefelder #Bildhauer Prof. Arnold Rickert. Die Holzstelen wurden durch Kreuze aus #Muschelkalk ersetzt. Das Gestaltungselement des »Eisernen Kreuzes« behielt er für alle Toten bei. 1961 wurden noch Kriegstote aus den Orten Rietberg, Rheda, Verl und Gütersloh zugebettet. Das jüngste Opfer auf der Kriegsgräberstätte ist Karl Heinz Bluhm aus Gütersloh, geboren am 28. Februar 1944, gestorben am 14. März 1945.
Der Friedhof »Unter den Ulmen« liegt in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh. Der Text wurde in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv erarbeitet und mit der evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh abgestimmt.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
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ist im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland für alle deutschen Kriegsgräber im Ausland zuständig – in rund 100 Ländern der Erde gibt es deutsche Kriegsgräber;
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unterstützt im Inland die Friedhofsträger in Fragen der Kriegsgräberfürsorge durch: Beratungen, Empfehlungen und Fortbildungsangebote;
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steht jedem Bürger für alle die Kriegsgräberfürsorge betreffenden Angelegenheiten mit Rat und Tat zur Seite;
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arbeitet mit ausländischen Gräberdiensten und vergleichbaren Organisationen partnerschaftlich zusammen;
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bezieht in seine überparteiliche Arbeit Verbände, Vereine, Organisationen, Institutionen und Gruppierungen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ein;
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betreibt als weltweit einzige mit der Kriegsgräberfürsorge beauftragte Organisation #Jugendarbeit und #Schularbeit und bietet als Beiträge zur Friedenserziehung unter anderem an:
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internationale #Workcamps im #Inland und #Ausland;
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Projektwochen und Seminare in seinen Jugendbegegnungsstätten in den #Niederlanden (#Ysselsteyn), #Belgien (#Lommel), #Frankreich (Niederbronn les Bains) und #Deutschland (Auf dem Golm/#Insel #Usedom);
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Fortbildungsveranstaltungen,
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regionale Jugendarbeit (Jugendarbeitskreise, www.jak nrw.de 🔗),
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Schulprojekte im lokalen Bereich,
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informiert durch Ausstellungen, Publikationen, Vortragsveranstaltungen, eine gezielte Medienarbeit sowie andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit;
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hält die Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wach, insbesondere durch Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag, der zusehends als »Friedensmahntag« an Bedeutung gewinnt.
Auf Kriegsgräberstätten, die der Volksbund betreut, finden sich auch die Gräber all der Menschen, die in unseren Städten und Gemeinden ihr Zuhause hatten, bevor sie irgendwo in der Welt durch Krieg und dessen Auswirkungen ihr Leben verloren: Männer, Frauen und Kinder.
In der »Gräbersuche Online 🔗« sind derzeit 564 Kriegstote, die in Gütersloh geboren sind, registriert: aus dem Deutsch Französischen Krieg 1870/71, dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 und dem Zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945.
Unter dem Leitwort »Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden« leistet der Volksbund im Inland und Ausland wichtige Beiträge für das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland.
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