Der #Silberpfeil, der nie ein #Rennen fuhr – Mercedes Benz W 196 S 300 #SLR #Uhlenhaut #Coupé
#Gütersloh, 17. September 2026
2 Exemplare, rund 300 Kilometer pro Stunde und ein Auktionspreis von 135 Millionen Euro. Der vielleicht faszinierendste Mercedes aller Zeiten war eigentlich für die Rennsaison 1956 bestimmt. Doch dazu kam es nie.
Man muss sich das Jahr 1955 vor Augen führen. Ein #VW #Käfer leistet in #Deutschland um die 30 PS, #Autobahnen sind weitgehend leer und Tempo 100 ist für die meisten Autofahrer bereits eine ziemlich flotte Angelegenheit.
Und dann baut Mercedes Benz ein Coupé, das rund 300 Kilometer pro Stunde schnell ist.
Der Mercedes Benz 300 SLR, intern W 196 S, gehört zu jener kurzen, geradezu unwirklichen Epoche Mitte der 1950er Jahre, in der #Mercedes den internationalen #Motorsport beherrscht. Technisch ist er eng mit dem Formel 1 Rennwagen W 196 R verwandt, mit dem Juan Manuel Fangio 1954 und 1955 #Weltmeister wird. Der 300 SLR ist dessen zweisitziger Bruder für die #Sportwagenrennen.
Und der ist ziemlich erfolgreich.
1955 gewinnt Stirling Moss zusammen mit seinem Beifahrer Denis Jenkinson die »Mille Miglia« in 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden. Durchschnittsgeschwindigkeit: 157,65 Kilometer pro Stunde. Nicht auf einer abgesperrten modernen #Rennstrecke, sondern über rund 1.600 Kilometer italienische Straßen. #Fangio wird Zweiter. Am Ende der Saison gewinnt Mercedes Benz mit dem 300 SLR die Sportwagen #Weltmeisterschaft.
Doch Mercedes hat noch etwas anderes vor.
Ein Dach für den 300 SLR
Für die Saison 1956 entsteht eine geschlossene Version des Rennwagens. Das Coupé soll seine Fahrer bei langen und anstrengenden Rennen besser schützen.
Nur 2 Exemplare werden gebaut.
Die Form ist spektakulär: eine endlos wirkende Motorhaube, weit nach hinten gerücktes Cockpit, seitliche Auspuffrohre und jene nach oben öffnenden Türen, die unweigerlich an den berühmten Mercedes Benz 300 SL erinnern.
Doch der Eindruck täuscht ein wenig. Das Uhlenhaut Coupé ist nicht einfach ein besonders schneller 300 SL #Flügeltürer.
Es ist im Kern ein Rennwagen.
Unter der langen Haube arbeitet ein knapp drei Liter großer Achtzylinder Reihenmotor mit Benzindirekteinspritzung. Mercedes nennt für den 300 SLR 2.982 Kubikzentimeter Hubraum und 222 Kilowatt beziehungsweise 302 PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt je nach Übersetzung und Quelle bei rund 290 bis mehr als 300 Kilometer pro Stunde.
Für 1955 ist das beinahe absurd.
Der Rennwagen ohne Rennen
Dann endet die Geschichte, bevor sie eigentlich beginnen kann.
Nach der Saison 1955 zieht sich Mercedes Benz aus dem Motorsport zurück. Die für 1956 entwickelten Coupés kommen nie zum Renneinsatz.
Damit stehen in Stuttgart plötzlich 2 der wahrscheinlich schnellsten geschlossenen Automobile der Welt herum – ohne eigentlichen Verwendungszweck.
Einer findet sich schnell.
Rudolf Uhlenhaut fährt damit zur Arbeit.
#Uhlenhaut ist nicht irgendein Mercedes Ingenieur. Der 1906 geborene deutsch britische Konstrukteur gehört zu den entscheidenden Köpfen hinter den Silberpfeilen und leitet bei Daimler Benz die Versuchsabteilung. Er ist Ingenieur und zugleich ein ausgezeichneter Fahrer, der seine Konstruktionen selbst mit Geschwindigkeiten bewegen kann, die normalerweise professionellen Rennfahrern vorbehalten sind.
Der 300 SLR wird zu seinem #Dienstwagen.
Daher stammt der Name, unter dem das Auto heute weltberühmt ist:
Ein fast beiläufig entstandener Name für eines der außergewöhnlichsten Automobile der Geschichte.
300 Kilometer pro Stunde auf Dienstreise
Dass der Wagen tatsächlich mehr als ein kaum fahrbarer Rennprototyp war, zeigte sich schon damals.
Mercedes Benz überließ eines der Coupés 1955 der Schweizer »Automobil Revue« für Hochgeschwindigkeitsfahrten und einen Langstreckentest über rund 3.500 Kilometer. Die Tester erreichten etwa 290 Kilometer pro Stunde und bescheinigten dem Wagen selbst bei extrem hohen Geschwindigkeiten sichere Fahreigenschaften.
Heute erscheint das fast surreal: Ein handgebauter Rennsportwagen mit Formel 1 Genen, Flügeltüren und 300 PS Achtzylinder wird über Tausende Kilometer auf öffentlichen Straßen getestet.
Das Uhlenhaut Coupé gehört damit zu einer automobilen Epoche, die sich nicht wiederholen lässt. Es entstand zu einer Zeit, als Rennwagen noch unmittelbar aus der Arbeit vergleichsweise kleiner Ingenieurteams hervorgingen, Elektronik praktisch keine Rolle spielte und Geschwindigkeit vor allem mit #Mechanik, #Materialwissenschaft und #Aerodynamik erkämpft wurde.
135 Millionen Euro
Fast 7 Jahrzehnte bleiben beide gebauten Uhlenhaut Coupés bei Mercedes Benz.
Dann geschieht 2022 etwas, womit kaum jemand gerechnet hatte.
Mercedes verkauft eines davon.
Am 5. Mai 2022 wird das Fahrzeug im Mercedes Benz Museum gemeinsam mit RM Sotheby's in einer nicht öffentlichen Auktion angeboten. Ausgewählte Sammler sind eingeladen.
Der Zuschlag: 135 Millionen Euro.
Damit wird das Mercedes Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé zum teuersten jemals bei einer Auktion verkauften Automobil. Der Erlös dient als Startkapital für ein Förderprogramm, das junge Menschen bei Projekten unter anderem im Bereich #Umwelt und #Dekarbonisierung unterstützt.
Wie außergewöhnlich dieser Preis ist, zeigte sich noch einmal 2025. Ein Mercedes Benz W 196 R #Stromlinienwagen aus der gleichen Rennsportepoche erzielte bei einer Auktion 51,155 Millionen Euro – eine enorme Summe, aber nicht einmal die Hälfte des Preises des Uhlenhaut Coupés.
Es gibt nur 2
Der Wert des Autos lässt sich allerdings nicht allein mit Seltenheit erklären.
Natürlich spielt sie eine Rolle: Es existieren nur 2 Exemplare.
Aber im Uhlenhaut Coupé laufen gleich mehrere Geschichten zusammen. Es trägt die Technik jener Silberpfeile in sich, mit denen Mercedes Mitte der 1950er Jahre den Grand Prix Sport dominierte. Es ist mit #Fangio, #Moss und der legendären Rennsaison 1955 verbunden. Es entstand unter Rudolf Uhlenhaut. Es besitzt eine Karosserie, die zu den großen Entwürfen der Automobilgeschichte gehört.
Und es blieb praktisch unerreichbar.
Eines der beiden Fahrzeuge befindet sich weiterhin bei Mercedes Benz und ist im Mercedes Benz Museum zu sehen. Das andere gehört seit 2022 einem privaten Sammler.
Mehr gibt es nicht.
Keine Kleinserie. Keine späteren Produktionsmodelle. Keine zehn weiteren Exemplare in irgendwelchen Sammlungen.
2 Autos.
Eine Maschine aus einer anderen Zeit
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Faszination des Uhlenhaut Coupés.
Es wurde nicht konstruiert, um einmal 135 Millionen Euro wert zu sein. Es sollte auch kein Designobjekt und kein automobiles Kunstwerk werden.
Es sollte Rennen fahren.
Schneller als die Konkurrenz, möglichst zuverlässig und über viele Stunden.
Dann änderte Mercedes Benz seine Pläne, und aus dem Rennwagen für 1956 wurde ein Dienstwagen. Aus dem Dienstwagen wurde ein Museumsstück. Und aus einem der beiden Museumsstücke wurde schließlich das teuerste jemals versteigerte Auto der Welt.
Die vielleicht schönste Pointe der Geschichte ist deshalb nicht sein heutiger Wert.
Sondern die Vorstellung, dass Rudolf Uhlenhaut Mitte der 1950er Jahre morgens einstieg, den Dreiliter Achtzylinder anwarf und mit einem der heute wertvollsten Gegenstände der Welt einfach zur Arbeit fuhr.
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